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| Seit 1997 wird von einer internationalen, aus den USA stammenden, äußerst finanzkräftigen Organisation - HUMAN LIFE INTERNATIONAL (HLI) - auch in Österreich vor Abtreibungsambulatorien, privaten Arztpraxen und auch Krankenhäusern öffentlich Druck gegen den legalen Schwangerschaftsabbruch gemacht. Seit 1997 marschiert auch jährlich eine von der Bischofskonferenz anerkannte Organisation, "Jugend für das Leben", quer durch Österreich, um sich gegen die legale Abtreibung stark zu machen. Aktuell ist es diese "Jugendlichen"Organisation, die die Kampagne gegen die Lugner-City betreibt und zur Eröffnung von "Venus med" in der Lugner City gemeinsam mit Hardlinern anderer Organisationen demonstrierte. Derzeit kursiert im 15. wiener Gemeindebezirk eine Postwurfsendung "an einen Haushalt", die zum Boykott der Lugner City mit einer Unterschriftenliste wirbt, obwohl sich die Venus med im Ärztezentrum, also gesondert von der Lugner City, in einem extra Trakt befindet.
Verbündete dieser Bewegung sind auch im österreichischen Klerus
tatkräftig vorhanden. Die Vernetzung dieser Bewegung, welche unter
dem Deckmäntelchen der "Religionsausübung" und "freien
Meinungsäußerung" tagtäglich Frauen in der Nahzone
von Einrichtungen, die Schwangerschaftsabbrüche anbieten, einschüchtert,
belästigt, nötigt, am Betreten der Klinik mit diversen Methoden
zu hindern sucht und auch nach dem Besuch der Ambulanz bis in Parkgaragen
verfolgt, Autonummern notiert, etc., ist evident: Verschiedene katholische Online-Medien unterstützen
HLI/Ja zum Leben mit ideologischem
Unterfutter, Propaganda und politischer Einmischung. Die politisch weit rechts stehende Orientierung ist dabei nicht zu übersehen. Frauen dienen in dieser Ideologie nicht nur als Hausmütterchen, wie die derzeit wieder aufgeflammte Debatte über Kinderbetreuung außerhalb der eigenen 4 Wände zeigt. Auch die demografische Entwicklung des Heimatlandes bereitet diesen Leute enorme Kopfzerbrechen - besonders, wenn es um die angeblich so hohen Geburtenraten von Zuwanderinnen mit anderem Glauben als dem christlichen geht. Hier wird von "Volksaustausch" gesprochen (das Wort "Umvolkung" wäre denn doch zu einschlägig!) und das Gespenst vom Halbmond auf dem Stephansdom geht um. Gegen dieses Gespenst sollen alle "Österreicherinnen" in den Gebärwettbewerb geschickt werden, um "unsere" Pensionen durch hohe Geburtenraten zu sichern, ja sogar die Pflege und Betreuung der Alten und Kranken hängt in diesem Kontext nicht von der Umverteilung der gesellschaftlich notwendigen Arbeit und des, besonders von Frauen erarbeiteten gesellschaftlichen Reichtums, sondern von hohen Geburtenraten ab. Alles soll gefälligst wieder so werden, wie es "immer schon" war. Frauenrechte sind diesen Leuten insgesamt ein Gräuel - sie setzen auf "Bestimmung" und Rollenstereotypen, auf die Aufteilung der Gesellschaft in Männer, die gesellschaftlich das Sagen haben sollen und Frauen, welche die gesellschaftlichen Voraussetzungen für die Dominanz einer solch paternalistischen Gesellschaft gewährleisten. Dies ist ein internationaler Trend, der mit dem Feminismus abrechnen will. Weibliche Vertreterinnen dieser Politik gegen Fraueninteressen werden gerne an die Frontlinie geschickt, um zu zeigen: Schaut her, wir sind die "richtigen" Feministinnen, wir wissen besser, was Frauen brauchen. Sie arbeiten dabei mit einem fundamentalistischen "Gottesbild", welches Demokratie und Entscheidungsmacht Einzelner nicht akzeptiert, und so resultiert daraus auch eine Politik, die an einer tatsächlichen Verbesserung der Lebensbedingungen für alle, an der Schaffung einer frauen- und kinderfreundlicheren Umgebung, etc., ganz und gar nicht interessiert ist. Sie gieren nach der Definitionsmacht darüber, was menschliches "Leben" sei. Dies geht so weit, dass eine einzelne befruchtete, menschliche Eizelle in einem Frauenkörper schützenswerter ist, als eine bereits geborene, lebendige Frau, die selbst entscheiden könnte, ob und wann sie schwanger wird und wieviele Kinder sie in ihrem Leben gebären möchte und wie sie mit diesen Kindern ihr Leben lebt. Abtreibung definieren diese Männerhorden als Kapitalverbrechen - und da jede Frau irgendwann ungewollt schwanger werden könnte, ist jede Frau auch eine potenzielle Schwerverbrecherin, sobald sie einen Abbruch der Schwangerschaft auch nur in Erwägung zieht oder für den Fall der Fälle befürwortet. Die Artikulation dieser gesellschaftlich immer lauter und stärker werdenden fanatischen Protagonisten in ihrer frauenverachtenden Politik scheut gerade unter säkularen Bedingungen nicht davor zurück, den Schwangerschaftsabbruch, und hier besonders den legalisierten, als das größte Verbrechen der Menschheit überhaupt, als "Babyholocaust" anzuprangern und damit immer und immer wieder all jene Menschen zu verachten und zu beleidigen, die in den KZs der Nazis generalstabsmäßig geschunden und mit industriellen Strategien ermordet wurden. Sie folgen damit jenem Papst, der diesen "Sager" für korrekt hielt und diese Parole für seine radikale Anhängerschar kreierte. Websiten in den USA beschäftigen sich da bereits mit dem von ihnen erfundenen "Post-Abortion-Surviver-Syndrom" - welches besagt, dass seit der Legalisierung der Abtreibung in den USA ein Drittel der nach der Liberalisierung geborenen Generationen durch den "Babyholocaust" eliminiert wurde und alle anderen somit Überlebende des "Abortionholocaust" seien... Diese "Botschaft" richten sie gezielt an junge Menschen und der gestalterischen Untermalung solcher naziverharmlosenden und frauenfeindlichen Propaganda sind dabei aufgrund der amerikanischen Gesetze keine Grenzen gesetzt. All diesen Organisationen ist gemeinsam, dass sie Frauen nicht als eigenständige Individuen, sondern als Teil des von ihnen propagierten, heterosexistischen Familienbildes, hierarchisch gegliedert mit einem Ernährer/Oberhaupt und Frau und Kindern als Anhang, behandeln: ist doch "die naturrechtlich begründete Familie" die kleinste Einheit im Staate und damit die Grundlage für eine hierarchisch gegliederte Gesellschaft mit Führern, Chefs und Untertanen, die folgen und dienen und möglichst billig bis gratis arbeiten sollen ... Menschen, die nicht in solchen gesellschaftlichen Strukturen leben wollen, werden automatisch ausgegrenzt und zu "Randgruppen" stigmatisiert. Frauen, die dieser Auffassung von einem Zusammenleben mit Männern nicht beipflichten, werden verteufelt und als Schuldige an sämtlichen gesellschaftlichen Fehlentwicklungen gebrandmarkt. Dieser Politik wollen wir gemeinsam mit vielen Frauen und Frauengruppen
Einhalt gebieten, und auch Männer sollen unsere Forderungen unterstützen
--- PRESSEAUSSENDUNG DES ÖSTERREICHISCHEN FRAUENRINGES Schutz für Frauen vor militanten Abtreibungsgegnern! "Die Aktionen militanter Abtreibungsgegner anlässlich der Eröffnung des neuen sexualtherapeutischen Beratungszentrums "VenusMed" in der Lugner-City am 1.Februar haben wieder deutlich gezeigt, wie dringend Maßnahmen zum Schutz der Frauen vor unzumutbaren Belästigungen durch diese Aktivisten sind," stellt Dr Christa Pölzlbauer, ehemalige Vorsitzende des Unabhängigen Frauenforums - Frauenvolksbegehren - und neue Vorsitzende Österreichs größter Dachorganisation von Frauenvereinen, dem Österreichischen Frauenring, fest. "Der Frauenring hat in den letzten Jahren wiederholt konkrete Vorschläge gemacht: Von rechtlichen Maßnahmen wie Schutzzonen vor den Ambulatorien in Wien durch Verordnung der Gemeinde und Strafsanktionen für nicht befolgte Wegweisungen im Landes-Sicherheitsgesetz bis zur verstärkten Durchführung von Abbrüchen in öffentlichen Krankenanstalten zu leistbaren Preisen. Kurzfristig könnte Wien auch durch Einrichtung eines Hilfsfonds für Schwangerschaftsabbrüche den Frauen wenigstens die finanzielle Belastung erleichtern. Aber auch bundesweite Maßnahmen wären hoch an der Zeit: Die Einführung einer Bannmeile vor Ambulatorien im Polizeirecht wäre kurzfristig durch eine Gesetzesnovelle möglich, längerfristig sollte aber auch über eine Kostenübernahme für Abbrüche und Empfängnisverhütungsmittel durch die Krankenkasse nachgedacht werden. Die Regelungen über Schwangerschaftsabbrüche sollten überhaupt aus dem Strafrecht herausgenommen werden und nach französischem Vorbild ins Krankenanstaltenrecht übernommen und um Verbote für die Aktivitäten militanter Abtreibungsgegner vor Kliniken ergänzt werden. Das Europäische Parlament hat schließlich schon 1998 die Haltung der militanten Abtreibungsgegner verurteilt und die Mitgliedstaaten aufgefordert, das Vorgehen dieser Gruppen streng zu bestrafen. Wir haben bereits mehrmals konkrete Vorschläge für Schutzzonen, Bannmeilen und Strafbestimmungen gegen den Psycho-Terror vor den Kliniken vorgelegt. Jetzt ist die Politik gefordert, denn es geht hier nach den Expertisen unserer JuristInnen nicht mehr um eine Frage des rechtlichen Könnens sondern vielmehr des politischen Wollens!" schließt Pölzlbauer ihren Appell an Bund und Länder. 2. Februar 2007 |